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Viktor Frankl und die Suche nach dem Sinn

Aktualisiert: Juni 12


Das ist Viktor Frankl.

Er war Neurologe und Psychiater.

Er durchlebte 4 Konzentrationslager im zweiten Weltkrieg.

Sein Vater starb dort 1943.

Seine Mutter wurde später nach Auschwitz gebracht und in der Gaskammer ermordet.

Seine Frau starb im KZ Bergen-Belsen.

Er überlebte als Einziger seiner Familie und wurde 1945 von der US-Armee befreit.

Er überlebte Hunger, Sklavenarbeit, und musste zusehen, wie unzählige Menschen starben.

Diese Zeit nahm ihm alles, er durchlebte die Hölle.

Jedoch gab sie ihm auch etwas. Einen neuen Einblick in die menschliche Psyche.



Er lernte, warum manche Menschen selbst unter den furchtbarsten Umständen nicht aufgaben, während andere zerbrechen.

Er hatte während dieser Zeit eine Offenbarung und die war folgende:

Der Mensch ist ein vom Sinn getriebenes Tier.

Vor allem anderen streben wir nach einem Sinn in unserem Leben und wenn wir keinen finden, werden wir sehr, sehr traurig.

Und sobald ich mit meinem Post fertig bin, wirst du mir hoffentlich zustimmen.



Friedrich Nietzsche sagte einmal:


"Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie"

Sowohl Viktor Frank, als auch Friedrich Nietzsche lehren uns über die Notwendigkeit eines Sinns im Leben und beide ergründen in ihren Werken die menschliche Suche nach dem Sinn, dem "Warum", des Lebens und des Leidens.




Sinn - früher und heute


Für die längste Zeit bestand ein guter Tag für einen Menschen darin, Nahrung zu finden, Wasser zu finden und nicht gefressen zu werden.

Und auch wenn Jäger und Sammler wahrscheinlich mehr Freizeit hatten als wir, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Mittelpunkt ihres Lebens darin bestand, am Leben zu bleiben.

Als nächstes entwickelten wir eine Zivilisation und damit einhergehend die organisierte Religion.

Und ich will jetzt nicht schlecht über die Religion sprechen, glaube was auch immer du magst.

Ob der berüchtigte "Gott" nun existiert oder nicht, er gab den Menschen wohl einen Zweck im Universum.

In letzter Zeit wurden die Dinge jedoch etwas komplizierter.

Wenn du das hier liest, hast du eine gute Chance, dass du niemals einen Krieg in deiner unmittelbaren Umgebung erleben musstest.

Du wirst niemals für längere Zeit das Gefühl haben, zu hungern oder dir Sorgen machen müssen, Zugang zu sauberem Trinkwasser zu bekommen.

Das ist natürlich auch gut so, das ist ja das Ziel: Das Leben für uns alle besser zu machen.


Während früher der Zweck des Lebens darin bestand, am Leben zu bleiben, oder sich daran zu erinnern, den Gott deiner Wahl zu verehren,haben heute viele von uns mehr Zeit, über das Leben nachzudenken.

Und wir haben immer noch kein gemeinsames Verständnis dafür, was wir eigentlich hier machen oder was wir machen sollten.


Mit Tradition und Religion und deren moralischen Richtlinien verschwand ein Grundpfeiler für Sinn und Anleitung. Nach der wissenschaftlichen Revolution und dem "Tod Gottes" verlor der Mensch seinen Sinn im Leben. Wissenschaft sagt uns zwar empirisch, wie die Dinge sind, aber nicht wie sie sein sollten oder, was wir machen sollen.



"Im Gegensatz zum Tier sagt dem Menschen kein Instinkt, was er muss. Und im Gegensatz zum Menschen in früheren Zeiten sagt ihm keine Tradition mehr, was er soll. Und nun scheint er nicht mehr recht zu wissen, was er eigentlich will."

Viktor Frankl



Gott ist tot


„Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet.“

So schrieb Friedrich Nietzsche in seiner Kurzerzählung, "der tolle Mensch".


Nach dem "Tod Gottes" und dem Untergang der klassischen moralischen Bestimmungen der Religion, stand der Mensch etwas verloren da.

Er muss zwar nicht mehr in ewiger Angst vor den unendlichen Qualen in den Höllenfeuern der Unterwelt leben, jedoch fehlte auch der Ausblick auf Sinn im Leben durch gottesgnädiges und moralisches Verhalten.

Denn nach der Aufklärung und der wissenschaftlichen Revolution gibt es keinen Beweis für Gott oder eine Hölle.

Folglich kann der Mensch so sündhaft sein wie er will, ohne Angst vor der Strafe Gottes oder der Hölle. Alles ist erlaubt.


Relevantes Video


Doch irgendwann, eines Tages wacht der Mensch nach all dem Feiern auf und hat einen schrecklichen Kater. Kopfschmerzen, Durst. Er ist faul und verkommen durch all das Feiern.

Er sucht nach einem Konter. Er hat den Kopfschmerz des Verlusts von einem Grund und einer Aufgabe für das Leben.

Er hat Durst nach Sinn in seinem Leben.

Und er denkt,"Gott ist tot. Ich muss meine eigenen Richtlinien erschaffen" (Nietzsche wäre stolz).



Das Zeitalter der Ideologien


Somit stürzt sich der Mensch in das Zeitalter der Ideologien. Statt Göttern verehrt er nun Karl Marx, Josef Stalin, Mao oder Adolf Hitler. Ihre Worte sind ihm heilig, er folgt der neuen Religion des Kommunismus, Sozialismus, Nationalsozialismus.

Er legitimiert das Töten, solange es sich um die verhasste "Bourgeoisie" oder "unwertes Leben" handelt.

Alle früheren Gebote von Moral und Ethik sind verworfen.

Der Mensch sieht sich selbst als den Gott dieser Welt.


Die Ideologie der Nationalsozialisten führt zum Tod von 5,6-6,3 Millionen Juden (Quelle).

Die Ideologie des Kommunismus führte allein in der Sowjetunion zum Tod von 3-20 Millionen Menschen (Quelle)

Beide Ideologien führen zu einem Weltkrieg durch welchen 65-80 Millionen Menschen starben. (Quelle)

Darauf folgte noch viel offensichtlicher der Krieg der Ideologien, welcher uns an den Rand der atomaren Zerstörung des ganzen Planeten und allen Lebens brachte.


Also.

Ideologien sind nicht die Antwort.

Wie finden wir denn dann den Sinn des Lebens?

Wie werden wir jemals alle glücklich werden und können alle ein erfülltes Leben führen?

Kommunismus ist genau so wenig die Antwort wie der freie Markt.

Karl Marx ebenso wenig wie Adam Smith.

Frankl sagt:


„So einfach dürfen wir es uns nicht machen, dass wir das Sinnlosigkeitsgefühl auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen zurückführen.“


Nihilismus


Keine Ideologie kann uns einen wirklichen Sinn geben und Gott ist tot.

Somit fällt der Mensch in den Nihilismus, nichts hat einen Sinn.

Wir sind nur haarlose Affen mit einem über-proportioniertem Gehirn, welche auf einem Staubkorn von einem Planeten durch die unendliche Leere des Universums fliegen und auf ewige Zeiten, niemals etwas an diesem Leben und Leiden ändern können.

Wir können keinen Sinn finden, denn es gibt keinen Sinn, Leben ist nur Leiden.


Oder, um es mit den Worten Morty Sanchez' zu sagen:


"Nobody exists on purpose, nobody belongs anywhere, everybody's going to die, nothing means anything, come watch TV."


Nihilismus ist tot


Stimme ich jetzt den Nihilisten darin zu, dass nichts einen Sinn hat und alles nichts bedeutet?

Nein ich stimme nicht zu.

Denn das Wissen, dass nichts von Bedeutung ist und nichts an sich einen Sinn hat, obwohl es wahr sein mag, bringt uns nicht weiter und macht das Leiden und die Sinnlosigkeit des Lebens definitiv nicht besser, wahrscheinlich eher noch schlechter.


Es stimmt, unser Planet wird sterben, die Sonne wird explodieren, das Universum kühlt sich ab und kollabiert am Ende der Zeit.

Nichts wird irgendetwas bedeuten, nichts was du tust wird jemals Bedeutung haben oder irgendetwas verändern.

Das sagen jedenfalls Zyniker und Nihilisten.

Und es stimmt, Zyniker und Nihilisten sehen keinen Sinn in irgendetwas, trotzdem Leiden sie.

Und dieses Leiden machen sie nur noch schlimmer durch ihre zynische Sicht der Welt. Ironisch.


Und ja. Wenn man auf das Ende des Universums blickt, wird wahrscheinlich nichts, was du jemals gemacht hast, irgendetwas bedeuten.

Aber man kann immer so weit "rauszoomen", sodass nichts mehr von Bedeutung ist, nur um seine zynische Weltsicht zu festigen.

Aber wenn du wieder hierher "zoomst", auf die Erde, auf deine Familie und Freunde, auf dein Leben, dann siehst du, dass deine Entscheidungen sehr viel bewirken können, du kannst anderen eine Freude machen, andere motivieren und anderen ein Vorbild sein.

Du kannst gutes in die Welt bringen und deinen Sinn im Leben selbst finden.


Und genau das ist es, was Viktor Frankl und viele vor und nach ihm herausfanden.

Der Sinn des Lebens ist ein Pullover, den du dir selbst stricken musst, ein Buch, das du selbst schreiben musst.

Und das alles ohne Anleitung, ohne Rezept.

Wie Frankl sagt:


„Es gibt nichts auf der Welt, das einen Menschen so sehr befähigte, äußere Schwierigkeiten oder innere Beschwerden zu überwinden, - als: das Bewusstsein, eine Aufgabe im Leben zu haben.“


Die Suche nach dem Sinn


Wir finden unseren Sinn in den Aufgaben die wir wählen, früher gaben uns Religion oder Ideologien diese Aufgaben, heute finden wir sie selbst.

Viktor Frankls Position war, dass das Finden eines individuellen Sinnesempfindens eine Reise ist, die der Einzelne alleine unternehmen muss.


Sinn ist viel wertvoller als bloßes Glücklichsein, Sinn hilft dir durch schwere Zeiten, Zeiten in denen du eben nicht glücklich bist, denn diese Zeiten wird es immer geben. Und wenn dann dein einziges Ziel im Leben darin besteht, glücklich zu sein, hast du verloren.

Willst du wirklich glücklich sein wenn jemand, der dir nahe stand, stirbt? Nein, du bist dann nicht glücklich und solltest es auch nicht sein.

Jedoch sollte dir eine Tragödie oder ein schmerzhaftes Erlebnis nicht den Sinn im Leben nehmen.


Wir alle brauchen einen Sinn, wir können nicht immer nur dem Glück hinterherrennen, es kommt und geht, und ihm geht immer eine sinnvolle Beschäftigung voran.

Wann fühlt man sich wirklich gut? Wenn man den ganzen Tag Netflix guckt und Videospiele spielt? Vielleicht fühlt man sich dann im Moment gut, jedoch wenn man auf die Tage zurückblickt, die so verbracht wurden, fühlt man oft ein Stechen von schlechtem Gewissen.


Oder fühlt man sich wirklich gut, wenn man sich ein gutes Ziel gesetzt hat und dieses erreicht?

Wenn man sich überlegt, was eine sinnvolle Beschäftigung für die nächsten Jahre sein könnte, wenn man sich fragt "Womit hätte ich am liebsten schon vor zehn Jahren begonnen?" oder "Was würde mir am meisten bringen, wenn ich in zehn Jahren auf diese Zeit zurückblicke?" und sich dann aus diesen Überlegungen ein sinnvolles Ziel setzt und für das Erreichen von diesem Ziel alles gibt, sich vollends erschöpft und wirklich mit allem, was man hat daran arbeitet.

Ist man dann nicht glücklicher?


Jedoch war hier nicht das Glück das Ziel, sondern überhaupt, ein sinnvolles Ziel zu erreichen.

Wir Menschen waren schon immer darauf aus, Ziele zu erreichen, das gibt uns ein wirkliches Gefühl von Zufriedenheit und Glück.

Und nebenbei macht es noch unser Leben besser. Somit auch das Leben, derer, die uns lieben, denn jemanden zu lieben, bedeutet auch, sich für ihn oder sie zu wünschen, er oder sie möge seine Ziele erreichen und seinen/ihren Sinn im Leben finden.


Also: Setze dir sinnvolle Ziele, suche dir sinnvolle Aufgaben und frage dich: "Was würde ich in zehn Jahren bereuen, wenn ich es immer noch nicht angefangen hätte?"


Vielen Dank, dass du dir die Zeit nahmst, meinen Post zu lesen.


Falls du irgendeine Anmerkung hast oder deine eigenen Gedanken zu diesem Thema teilen möchtest, dann schreibe gerne einen Kommentar.

Wenn du denkst, dass jemand, den du kennst, davon profitieren würde, diesen Post zu lesen, dann kannst du ihn gerne weiterleiten.


In diesem Sinne: Viel Spaß und Erfolg bei der Suche nach dem Sinn deines Lebens,


Max Englisch.

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